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Barockreiten Zirzensik
 

Einführung in die Klassische Barocke Reitweise

Um die Wurzeln bedeutender Reitstile aufzufinden ist es spannend, in Gedanken auf eine Zeitreise zu gehen und zurück zu reisen in die Vergangenheit.

Zunächst ins vorchristliche Südspanien. Hier wurzelt die Reitweise, die wir
heute als klassische oder auch barocke Reitweise bezeichnen, im damaligen
iberischen Reitstil.

In Frankreich schließlich gelangte diese Kunst zur vollen Blüte und Vollendung.

Herauszuheben ist hier das Zeitalter des Barock, jene von Pracht geprägte Kulturepoche des 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts, in der die Edelleute auch darin wetteiferten, sich im Sattel kraftvoller Pferde mit erhabenen und runden Bewegungen zu präsentieren.

Wie ein roter Faden zieht sich der Leitgedanke der gewaltfreien Gymnastizierung durch alle Elemente der Ausbildung von Pferd und Reiter in der klassischen barocken Reitkunst: Diese Form der Ausbildung zielt darauf ab, auf sanfte Art die natürliche Schönheit und die Fähigkeiten des Pferdes während einer langen Lebensdauer bestmöglich zur Geltung zu bringen und das Pferd vor körperlichen und psychischen Schäden zu bewahren.

Immer bestimmt das Pferd - seine Begabungen, sein Exterieur, sein Arbeitseifer, des es zu fördern und zu erhalten gilt - die Ausbildungsdauer und niemals der Ehrgeiz des Bereiters!

Im Vordergrund steht die Entwicklung taktreiner, losgelassener Grundgangarten.

Im Zuge der gymnastischen Durchbildung - der so genannten Hohen Schule - wird das Pferd mehr und mehr in die Lage versetzt, einen außerordentlichen Versammlungsgrad anzunehmen und beizubehalten.

Diese Versammlung ist ein bedeutendes Merkmal der klassischen Reitkunst!
Sie wird aus der tiefen Beugung der Hanken - der oberen Gelenke der
Hintergliedmaßen - bei gut durchtrainierter Rückenmuskulatur entwickelt.

Die Vorhand wird durch die Gewichtsverlagerung auf die Hinterhand entlastet und kann sich jetzt leichter und freier bewegen.

Ausdrucksstarke Lektionen der Hohen Schule "auf der Erde" sind versammelnde Lektionen wie Pirouette, Piaffe und Passage, erarbeitete Bewegungsabläufe, die auch heute noch auf Turnieren in hohen Dressurwettbewerben gezeigt werden.
Daneben umfasst das klassische Repertoire noch die Schulen " über der Erde":

Levade, Croupade, Courbette und Capriole.

Erarbeitet werden diese Lektionen durch Seitengänge wie Schulterherein,
Travers oder Traversalen in allen Gangarten, um so das Pferd geschmeidig
zu machen. Vorwärtsreiten gibt es in der Barocken Reitweise nicht, sondern das Pferd wird durch die Seitengänge gymnastiziert.

Bei dieser Art der Gymnastizierung ist das Pferd bis ins hohe Alter immer noch ein geschmeidiges leichtrittiges Pferd. Man kann die so genannte heutige „Englische Reitweise“ eher mit einem Marathonlauf vergleichen und das Barocke Reiten eher mit „Bodybuilding“.

Welche Reitweise man bevorzugt und welches Pferd sich für welche Reitweise besser eignet, muß jeder für sich selbst entscheiden.

 
 


 
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